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Kassis-Weber-Weber Trio (Session am 23.07.2016)

  1. Part II

  2. Part III

Oriental Jazz mit Shadi Kassis

Shadi Kassis habe ich am 23. Juli 2016 kennengelernt. Zusammen mit meinem Bruder Wolfgang Weber hat er mich in meinem Haus zu einer Session besucht. Shadi ist ein excellenter, professioneller Musiker und Percussionist, der Ende 2015 als syrischer Flüchtling in Deutschland aufgenommen wurde. Er hat an der Musikhochschule Damaskus studiert mit Spezialisierung auf Rhythmik. Shadi ist u. a. Mitglied im syrischen Sinfonieorchester für arabische Musik und Mitglied im syrischen Künstlersyndikat. Auch in Europa nahm er in mehreren Ländern, auch in Deutschland, an Konzerten teil und bot Jazz-Workshops in östlicher Musik an. In Spanien lehrte Shadi am "Institut für musikalische Substanz" in Valencia im Fach "Östliche Rhythmik".

Acht Jahre leitete Shadi den liturgischen Gesang in einem Kloster, war Organist und Chorleiter einer syrisch-christlichen Gemeinde. Bis der Krieg kam und alles zerstörte. Sein Haus, in dem er wohnte, ist heute völlig zerbombt, ebenso seine Instrumente, all sein Besitz. Die letzten drei Jahre verbrachte Shadi damit, in Syrien, in seiner Heimatstadt, durch den Krieg verletzte Mitmenschen zu bergen und Verwundete zu pflegen. Viele seiner Freunde leben nicht mehr, haben den Krieg nicht überlebt.

Die Musik mit Shadi (perc) und Wolfgang (b, ac-g, perc), aber auch Shadi als Mensch zu erleben, waren ein besonderes Erlebnis. Unsere Musik an diesem Samstag nachmittag war sehr kraftvoll und so vertraut, als hätte ich schon unzählige Male mit Shadi zusammen gespielt. Selten habe ich in solchem Einklang mit einem Musiker gespielt. Seine Rhythmen waren sehr inspirierend für mich und entlockten meiner Gitarre dann auch spontan neue arabische Scales.

In der Pause unserer Session hörten wir Musik seiner syrischen Oriental-Jazz-Bands. Es hat mich ergriffen, als er bei einem Funk-Jazz-Titel mit einem exzellenten Bassspieler erwähnte, dass dieser im Krieg umgekommen sei.

Shadi braucht Unterstützung, denn er steht vor der Abschiebung nach Polen, weil das Land nach europäischem Recht für den Asylantrag zuständig gewesen wäre. Sein Traum ist es, in Saarbrücken Musikwissenschaft zu studieren. Dann will er als Musiker und Musiklehrer arbeiten. Shadi spricht Arabisch, Englisch und Spanisch. Zu Hause versucht er jetzt, sich und seiner schwangeren Frau Deutsch beizubringen. „Ich bin nicht gekommen, um nur zu nehmen. Ich will auch etwas geben. Und ich wünsche mir sehr, dass ich dazu die Chance bekomme.“

Vielleicht kann unser Oriental-Jazz-Project einen Beitrag dazu leisten, dass Shadi eine faire Chance in Deutschland erhält.

Weitere Infos zu Shadi Kassis:

Ein Artikel zu Shadi Kassis in der Saarbrücker Zeitung vom 16. Juni 2016

Ein Fernsehbericht zu Shadi Kassis im SR-Kulturspiegel